Loslassen

Wenn man etwas loslässt, entgleitet es einem, verschwindet. Unser ganzes Leben besteht aus diesem Loslassen. In dem Moment, in dem wir geboren werden, verrinnt unser Leben und wir steuern unaufhaltsam unserem Tod entgegen. Wir können das Leben nicht festhalten, doch genau dazu neigen die meisten Menschen. Wir klammern uns an Dinge, Personen, Vorstellungen. Dieses Festhalten entspringt aus unserer Angst vor Leere. Manche  umgeben sich mit materiellen Dingen und bezeichnen diesen Zustand als Sicherheit. Andere suchen Halt bei Menschen oder Gruppen. Den größten Halt suchen wir aber in uns selbst. Wir errichten in uns eine Vorstellung unseres Ichs. Wir bauen daran ein ganzes Leben. Beeinflusst von anderen Menschen, Ereignissen und Wünschen erfinden wir dieses Selbst und verteidigen es nach Innen und Außen. Doch all diese Anker sind nicht beständig. Das Geld rinnt uns wie Sand durch die Finger. Geliebte Menschen verlassen uns und unser selbst errichtetet „Ich“ zerbröselt in extremen Situationen. Was bleibt ist ein unangenehmes Gefühl des „nichts mehr unter Kontrolle Habens“. Früher oder Später müssen wir uns alle dieser Erfahrung stellen und je mehr wir uns mit dem Festhalten beschäftigen, umso schmerzlicher wird das Loslassen.Was hat das Alles nun mit einer Kampfkunst zu tun? Wenn wir einem Gegner im Kampf gegenüber stehen klammern wir uns an Begriffe wie Sieg oder Niederlage. Wir versuchen, im Kampf die Kontrolle zu behalten. Wir sind um unseren unversehrten Körper besorgt und letztendlich versuchen wir, unser Leben festzuhalten. Doch so lange wir an unserem Leben hängen, werden wir nicht frei sein und der Gegner wird uns niederstrecken. Auch im Kampf müssen wir loslassen. Den Gegner und uns selbst.

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